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Unsere Pfarrkirche

 

 

Unsere Pfarrei kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die älteste der in Bamberg noch bestehenden Kirchen zu besitzen.
Eigentlich in erster Linie eine Marienkirche, trat im Laufe der Jahrhunderte das Patrozinium des Kirchenheiligen Gangolf mehr und mehr in den Vordergrund.
Seit der Gründung haben alle Jahrhunderte im Bauwerk ihre Spuren hinterlassen.

 

So wurde die ehemalige Stiftskirche als eine dreischiffige Basilika auf östlichem Querschiff erbaut: Im frühen 12. Jahrhundert ließ Bischof Otto einen, vielleicht auch beide Türme errichten. Das Langhausinnere wurde im 14./15 Jahrhundert gotisch umgestaltet. Dem rechten Seitenschiff waren bereits 4 Altäre angefügt worden. In der Barockzeit bezog man den Südflügel des Kreuzganges zugunsten der linken Kapellenreihe mit in die Kirche ein. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der romanische Chor durch den langen gotischen Bau ersetzt. Ca. 100 Jahre später musste er nach einem Einsturz wiederum erneuert, sogar neu geweiht werden.

 

 

Im Barock erhielten die Türme neue Helme, im Rokoko bekam die Kirche eine völlige Neuausstattung. Davon erhalten blieben das 1753 für die Vierung geschaffene Deckengemälde Joh. Jos. Scheubels d. Ä., sowie die Altäre der Seitenkappellen und das Chorgestühl. Letztere sind das Werk der Familie Mutschele, die selbst in der Theuerstadt wohnte und unserer Kirche engst verbunden war. Ihnen ist auch die Ausgestaltung des Hochaltares zuzuschreiben, dieser ein Hinweis, dass die Kirche ursprünglich mehr Marienkirche war: die Aufnahme Mariens in den Himmel, die HI. Gangolf und Johannes sind Zeugen dieses Ereignisses.

  Erwähnenswert als Kunstgegenstände wären noch die im Ouerschiff angebrachte spätgotische Madonna, (aus der abgebrochenen Franziskanerkirche), sowie der aus dem 13.Jahrhundert stammende ,,Christus am Lebenshaum" (aus Alt-St.-Martin). Die Kanzel aus der Zeit des späten Rokoko, ehemals für die Katharinenspitalkirche gearbeitet, kam erst 1938 hierher.

Die linken Seitenaltäre sind den HI. Nepomuk, Josef und Sebastian geweiht, die rechten der HI. Dreifaltigkeit, der HI. Muttergottes und dem HI. Karl Borromäus. An den linken Querflügel anschließend war einst Kapitelsaal und Sepultur des Stifts. Mehrmals umgebaut, wurde der Raum 1806 zur ,,Göttlich-Hilf-Kapelle", als aus der säkularisierten HI.-Grab-Kirche das Kruzifix der ,,Göttlichen Hilfe" (Christus als König am Kreuz) hierher überführt wurde. Anders als in anderen Gegenden wurde dieses Kreuz niemals als "Kümmernis" verehrt.

Von der rechten (östlichen) Seite aus gelangt man in die gotische, ehemalige Nikolauskapelle. Heute birgt sie die spätgotische Sitzgruppe der ,,Anna selb-dritt" aus der abgebrochenen, im Hauptsmoorwald gelegenen Annakapelle. Mit dem Inventar übernahm die Kapelle 1812 auch deren Namen. An den Seitenwän-den hängen das Bildnis der ,,Acht Seligkeiten", möglicherweise aus der Schule Albrecht Altdorfers, die Darstellung der Legende vom ,,Roten Ritter" und Tafelbilder der Heimsuchung und Krönung Mariens - wertvolle altdeutsche Gemälde auf Holz.


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Geschichte der Pfarrei

Die Theuerstadt, einer der ältesten Siedlungskerne Bambergs, war die Keimzelle sowohl der kirchlichen Gemeinde St. Gangolf, als auch des jetzigen II. Distrikts der Stadt Bamberg.

Das Stift

Möglicherweise als thüringisch-slawische Siedlung bereits vor dem 8. Jahrhundert entstanden (nachweislich führte eine vorgeschichtliche Handelsstraße durch die Theuerstadt) war sie auch nach der Gründung des Bistums Bamberg zunächst ohne kirchlichen Mittelpunkt geblieben. Zwischen 1057 und 1059 - eine Stiftungs- oder Gründungsurkunde ist nicht erhalten - gründete Bischof Gunther das Kollegiatstift St. Maria und Gangolf. Reich fundiert wurde es durch den Edelfreien Reginold Walpot von Zwernitz, so daß die kirchliche Konsekration bereits 1063 erfolgen konnte.

St. Gangolf war so nach St. Stephan, St. Michael und St. Jakob das vierte Bamberger Stift, ein Kollegiatstift. Die Geistlichen eines Kollegiatstifts waren keine Mönche, sondern Kanoniker. An ihrer Spitze standen ein Propst und ein Dekan. Sie waren zum gemeinschaftlichen Gebet und Gottesdienst verpflichtet, lebten aber sonst nicht in Gemeinschaft. Noch heute sind ihre Häuser, die sogenannten Stiftsherren- oder Kanonikatshöfe rund um die Kirche nachweisbar.

Heimo von St. Jakob († 1139) wies darauf hin, daß diese geistlichen Stifte, durch gedachte Linien verbunden, sich beim Dom schneiden und ein Kreuz bilden - ein dem mittelalterlichen Menschen tief bedeutsames Symbol.
Die Immunitäten, die sich um diese Kirchen bildeten, werden erstmals 1154 in einer Urkunde des Bischofs Eberhard erwähnt.
Die Einkünfte des Stiftes St. Gangolf wuchsen durch Schenkungen, Lehngüter und Zehntgaben an. Im Laufe der Zeit erwarb sich das Stift außer den Rechten in Bamberg, Nürnberg, Weismain und Hollfeld noch weitere in 35 Orten.
Allerdings sorgten auch die Unruhen und Kriege der Jahrhunderte für Verluste an Gütern und Dokumenten: 1430 stürzte der Hussiteneinfall das Stift in große Schulden, ebenso der Bauernkrieg 1525 und 1553 der Einfall Markgraf Albrechts von Brandenburg - Kulmbach. Der Schwedenkrieg im 17. Jahrhundert zwang das Stift nach schwerem Brand sogar, mit Zustimmung des Bischofs die Zahl der Kanoniker von 10 auf 6 herabzusetzen. Wegen des befreiten Gerichtsstandes (Immunität) gab es vielfach Zwistigkeiten mit dem Landesherrn, Domkapitel und Stadtbürgern, welche erst 1786 ihr Ende fanden, als Fürstbischof Franz Ludwig v. Erthal endgültig den Stiften die Ausübung der Gerichtsbarkeit entzog und Regierungsadvokaten als Richter aufstellte.

Die Pfarrei

Bis zum Jahre 1803 sind über 60, meist dem fränkischen Adel angehörige Pröbste nachgewiesen, die sämtlich dem Domkapitel angehörten.
Nach der Säkularisation wurde St. Gangolf zur allgemeinen Pfarrkirche des bistrikts bestimmt. Verschiedene Ausstattungsgegenstände, z. B. die Beichtstühle, wurden aus der Karmelitenkirche übernommen. Es wird berichtet, daß Gärtner, die die Gegenstände holten, von den Einwohnern der ,,Sutte" mit Steinen beworfen wurden.
Im Jahre 1806 erstreckte sich die neuerrichtete Pfarrei über den ganzen östlichen Stadtteil am rechten Ufer des rechten Regnitzarmes, außerdem über das Aufseeshöflein, Bughof, die Fallmeisterei, Kunigundenruh, den Schubertshof und zählte 7494 Seelen. Sie hatte 13 ,,Schulen" bei St. Gangolf, 4 in der Wunderburg.
Die Pfarrei betreuten 1 Pfarrer, 3 Kapläne, 1 Lokalkaplan, 2 Benefiziaten.
Das Kapitelhaus, 1732 von J. H. Dientzenhofer erbaut, wurde erweitert und dient seitdem als Pfarrhof.

Im vorherigen mittelalterlichen Kapitelshaus hatte sich die Schule befunden, an der Hugo von Trimberg, der Dichter des ,,Renner" von 1260 - 1306 wirkte:

Der diz buoch getihtet hat,
Der pflac der schoul ze Tiurstat
Wol vierzic jar vor Babenberc
Und hiez Huc von Trimperc.

Zum Bereich des heutigen Pfarrsprengels (im SO entstand als selbständige Pfarrei Ende des vorigen Jahrhunderts Maria Hilf-Wunderburg, im NW anfangs dieses Jahrhunderts St. Otto, im 0 schlossen durch Neubebauung neue Sprengel an) gehören Kirche und Kloster zum Hl. Grab. Nach der Legende wurden hier auf einem Acker geraubte Hostien ausgeschüttet. Zur Sühne stiftete die Bamberger Familie Münzmeister nach einer Pilgerfahrt ins HI. Land die Kirche und das Kloster für Dominikanerinnen (1355). In der Säkularisation wurde das Kloster zunächst profaniert, dann abgebrochen. Die Kirche blieb erhalten. Seit 1926 leben hier erneut Schwestern des Ordens vom HI. Dominikus.

Zur Pfarrei St. Gangolf gehört ebenfalls die Gönninger-Kapelle (außerhalb des Pfarrgebietes am Friedhof). Sie wurde von einem Bamberger Bürger gestiftet und nach ihm benannt. (1766). Als Vorbild diente die Kirche zu Maria Einsiedeln in der Schweiz - seinem Geburtsort.


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Der heilige St. Gangolf

Die Nachrichten über seine Historie sind dürftig. Beurkundet wird er zwischen 716 und 731. Aus adeliger Familie stammend, wurde er in Varenne-sur-Amance (Diözese Langres) in Burgund geboren. Nach einem Feldzug in Campanien trennte er sich auf Grund eines Gottesurteils von seiner Ehefrau. Aus Rache verletzte ihn sein Nebenbuhler im Schlaf tödlich. Im Jahre 760 wurde er in Varenne begraben. Seit dem 9. Jahrhundert wird er als Märtyrer verehrt. Reliquien kamen - wohl durch die damals aufblühenden Pilgerzüge nach Santiago de Compostela in Spanien - über Portugal und Frankreich nach Deutschland. Hier fasste seine Verehrung vor allem in Köln und Eichstätt Fuß. Ein Teil des Hauptes befindet sich unter den Reliquien der Pfarrei, es soll auf Bitten eines Bamberger Propstes von Eichstätt nach Bamberg gekommen sein.
Hl. Gangolf

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Kath. Pfarramt St. Gangolf - Theuerstadt 4 - 96050 Bamberg
Tel. (0951) 5193882-0 - Fax: (0951) 519388219 - E-mail: st-gangolf.bamberg@erzbistum-bamberg.de